Verhalten(d)e Sicherheit


Weihnachts-Dieter
Die Zeiten werden immer härter. Gerade jetzt, in der besinnlichen Adventszeit, wo die Kollegen und ich gern bei Glühwein und Spekulatius beisammen hocken, kommt der Chef auf die Idee, sich bei der Großchemie lieb Kind machen zu wollen. Gleich im neuen Jahr will er verkünden können, dass unser Laden voll SQAS-tauglich ist. Doch dafür sollen wir erstmal sicherheitstechnisch auf Linie gebracht werden. Ständig redet er von BBS. Erst dachte ich, wir kriegen jetzt alle neue Alu-Felgen, aber das steht übersetzt für "verhaltensbasierte Sicherheit" - womit ich irgendwie gar nichts anfangen kann.
Dann hat der Chef Beispiele genannt. Obwohl geschmeichelt, war es mir schon unangenehm, dass er mein Denken und Handeln vor den Kollegen so hervorgehoben hat. Sicher bin ich stolz auf meine Stapel- und Jonglierkünste, speziell bei Weißblech-Hobbocks, glücklich über meine holländischen Clogs, mit denen man sogar durch Natronlauge-Pfützen waten kann. Und einer der flinkesten bin ich deshalb, weil ich den Sicherheitsgurt nur unter die Achsel klemme, damit es so aussieht als ob ... - schwupps, kann ich aus dem rollenden Lkw hüpfen, um noch schnell ein Klasse 7-Päckchen auf die Ladefläche zu werfen!
Genau das, hat der Chef aber gesagt, gibt es bei BBS nicht mehr. Ich soll einen Instruktor zur Seite gestellt bekommen, der mein Verhalten korrigiert und bewertet. Ganz kollegial. Und zum Nutzen der Firma. Aber auch richtig teuer. Wehe, wenn das bei mir nichts bringt. Dann war das hier meine letzte Weihnachtsfeier. Na danke.
Ob ich bei diesen Aussichten noch ein Oh du Fröhliche anstimmen werde, ist mehr als fraglich. Ihnen jedoch, liebe Leser, wünsche ich ein sicherheitstechnisch einwandfreies, frohes Fest!
Dieter Danger
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