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Traditionen über Bord
N ichts ist mehr so, wie es einmal war − in den guten alten Zeiten. Ich weiß nicht, womit es eigentlich begann: mit dem Atom, dem kleinsten Materieteilchen, das plötzlich gespalten wurde, oder war es Raider, das von heute auf morgen Twix wurde? Jedenfalls geriet manch ein Weltbild ins Wanken. Es gibt kaum noch einst bekannte und bewährte Marken, die nicht einer Umbenennung zum Opfer gefallen sind. Mein 10 Jahre alter, reimportierter Mercedes-Benz weist in den Papieren als Hersteller DaimlerChrysler auf. Leibniz heißt jetzt Lorenz, DEA ist Shell, BP ist Aral, Hoechst ist nur noch ein Stadtteil und sogar UMIsped heißt jetzt UMIlog − die Aufzählung ließe sich lange fortführen. Nun hat es auch noch unsere Bahn erwischt. DB Cargo ist jetzt Stinnes, d.h. nein, eigentlich Railion.
Warum in aller Welt werden Traditionsmarken bedenkenlos auf den Müll geworfen? O.k. − im Fall DB Cargo könnte Vergessen für alle Beteiligten eine Gnade sein ... Oberflächlich betrachtet, könnte die Globalisierung für den Wertewandel verantwortlich gemacht werden. Der Markenname muss international verständlich sein und soll ein modernes Image transportieren.
Bei genauerer Betrachtung allerdings scheint es nur darum zu gehen, alte Strukturen aus Prinzip zu zerschlagen. Verkäufe, Fusionen, Asset Deals, Management Buy-ins/-outs und Bimbos − alles zu Gunsten des Shareholder Value. Wenn jener allerdings durch die Laune der Marktmechanismen gegen Null geht, dann ist auch die hippe Marke ruiniert und schnell vergessen.
Ich bin froh, dass es BASF, Tempo, Persil und Storck noch gibt!
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